Am Sonntag fanden die Landtagswahlen in Baden-Württemberg statt. Dass es Abzüge für die Mappus-Riege geben würde, war abzusehen. Das sich die Lage jedoch so grün färben würde, hätte wohl keiner erwartet. Mit einem Zuwachs von über 12 Prozent konnten die Grünen ihren Wählerstamm verdoppeln und überholten prozentual sogar die SPD. Gerade im konservativen Baden-Württemberg, welches fast 60 Jahre von der CDU dominiert wurde, hat nun der politische Wandel begonnen und erstmals wird ein grüner Ministerpräsident im Landtag sitzen. Winfried Kretschmann heißt das neue und für die meisten wohl doch eher unbekannte Gesicht, welcher nun das Zepter in die Hand nehmen wird.
Gespannt verfolge ich persönlich nun die weitere politische Entwicklung in ganz Deutschland.
Wird sich diese Tendenz fortsetzen oder war diese Landtagswahl die große Ausnahme?
Was führte zum Fall der CDU in Baden-Württemberg?
Konsequent hat die CDU die Widerworte der Bürger in Bezug auf S21 ignoriert, was auch außerhalb der Stuttgarter Region in ganz Baden-Württemberg nicht sonderlich positiv ankam. Neben den verlorenen Stimmen der aktiven Demonstranten kamen somit auch noch die Gegenstimmen derjenigen hinzu, die die Haltung der CDU in dieser Angelegenheit unangebracht fanden. Sympathiewähler für die Demonstranten.
Weiterhin wird die Stammwählerschaft der CDU auch älter. Die konservativen Wähler sterben aus und die neue Generation macht sich über andere Dinge Gedanken. Das Thema “Umwelt und Natur” nimmt in unserem industriellen Zeitalter eine immer wichtigere Rolle ein. Wir wünschen uns und unseren Kindern eine gesunde natürliche, lebenswerte Umgebung. Wer will schon Kinder in eine Welt setzen, die keine Zukunft hat? Und dann wird irgendwann in den nächsten 50 Jahren auch das Sozialsystem und evtl. auch das ganze Wirtschafts- und Finanzsystem (siehe Zins-Problematik, EU-Rettungsschirm etc.) zusammenbrechen. So langsam gelangen wir an diese und andere spiralen Enden, die innovative Gedanken erfordern. Warum also sollte ein Neuwähler seine Stimme für die CDU abgeben?
Mit Fukushima wurde auch die Verlängerung der AKW-Laufzeiten, welche durch Herrn Mappus forciert wurde, zusätzlich zum Killer-Thema. Wachgerüttelt durch die nun wohl langfristig andauernden Probleme durch das Eintreten eines Restrisikos in Japan, haben viele Bürger ihre Meinung zum Thema überdacht. Man hatte sich im Laufe der Jahre an die Gefahr der Kernenergie gewöhnt und das Restrisiko verdrängt, aber nun ist jeder von uns doch irgendwie betroffen, denn das nächste AKW ist nicht weit entfernt. Und wenn das eigene Leben in Gefahr gerät, dann handelt der Mensch endlich.
Diese Themen waren wohl ausschlaggebend für den politischen Wandel in Baden-Württtemberg. Vielleicht war es auch notwendig und für die CDU unpassend, das diese Dinge zeitlich parallel geschahen / geschehen und die Menschen dadurch wachgerüttelt wurden.
Anmerkung zur Kernenergie und zum Christentum:
Bereits anno 2007 hat der Vatikan die Kernenergie abgesegnet (n-tv.de). Der Justizminister von Papst Benedikt XVI. kritisierte damals sogar die Entscheidung einiger Länder in Europa, die Atomkraft aus Sorge vor Unfällen grundsätzlich abzulehnen. Von daher ist die CDU schon auf den richtigen christlichen Pfad, jedoch sehe ich da ethisch einen gewissen Zwiespalt. Jeder Christ sollte sich hier einmal Gedanken über seine Meinung und seinen Glauben machen, denn Natur und Mensch sollten doch eigentlich in Symbiose leben.


